St. Martin

St. Mar­tin

Die Stadt­pfarr­kir­che St. Mar­tin in Markt­ober­dorf gehört zu den schöns­ten Kir­chen im All­gäu. Beein­dru­ckend ist zunächst ihre weit­hin sicht­ba­re Lage auf dem Schloss­berg neben dem Schloss und der Lin­den­al­lee. Die Nach­bar­schaft zum Fürst­bi­schöf­li­chen Jagd­schloss mag ihre Grö­ße mit ver­an­lasst haben, doch wur­de die Kir­che von der Pfarr­ge­mein­de erbaut und finan­ziert. Im Zusam­men­wir­ken von Archi­tek­tur, Male­rei und Plas­tik gelang ein “Gesamt­kunst­werk”, das dern Wesen des süd­deut­schen Roko­ko ent­spricht. Der Ober­dor­fer Barock­bau­meis­ter Johann Georg Fischer hat auf den Vor­ga­ben eines roma­ni­schen Lang­hau­ses und eines goti­schen Chors einen Kir­chen­raum geschaf­fen, des­sen Wei­täu­mig­keit und Licht­fül­le in der Tra­di­ti­on sei­nes Leh­rers und Onkels Johann Jakob Her­ko­mer ste­hen. Das Pro­blem des für das baro­cke Emp­fin­den zu lan­gen Chors lös­te er mit der Unter­tei­lung in Vor­chor, Altar­raum und Alt­ar­büh­ne; dies bewirkt die Trans­pa­renz des beein­dru­cken­den Hoch­al­tars. Die Aus­stat­tung zeigt die qua­li­ta­ti­ve Höhe die­ser Künst­ler­teams im dama­li­gen Süd­deutsch­land. Der fröh­lich-bun­ten Fres­ken- und Stuck­de­ko­ra­ti­on der Kempt­ner Maler Franz Georg Her­mann und Bal­tha­sar Riepp und des Wess­obrun­ner Stu­cka­tors Abra­ham Bader und den groß­ar­ti­gen Figu­ren Anton Sturms ver­dankt der Raum sei­ne Leben­dig­keit.

Dass zur glei­chen Zeit in der nächs­ten Umge­bung Kir­chen­bau­ten wie die in Ber­tolds­ho­fen, Leu­ter­schach, Bidin­gen, Bies­sen­ho­fen, Gei­sen­ried, Sulz­schneid zum Teil unter Mit­wir­kung der glei­chen Künst­ler ent­stan­den — Ber­tolds­ho­fen wur­de nur eine Woche nach Ober­dorf, am 5. Okto­ber 1738, geweiht — gibt eine Vor­stel­lung von dem Reich­tum und der Dich­te die­ser Kunst­land­schaft.

Die Kir­che ist eines der nicht sel­te­nen Bei­spie­le, die noch das authen­ti­sche Erschei­nungs­bild des 18. Jahr­hun­derts ver­mit­teln. Bei der Restau­rie­rung von 2004/08 hat sich bestä­tigt, dass Stuck und Fres­ken und die gesam­te Innen­aus­stat­tung von her­vor­ra­gen­der tech­ni­scher Qua­li­tät sind und sich weit­ge­hend in ihrer baro­cken Fas­sung erhal­ten haben.

DR. CORDULA BÖHM

Grund­riss von St. Mar­tin