Das Osterfest in Timor-Leste

Bericht von Lisa Schromm aus Bertoldshofen, die für Misereor in Timor arbeitet.

Aschermittwoch

Wäh­rend in mei­nem Hei­mat­dorf in Deutsch­land an Ascher­mitt­woch größ­ten­teils Käs­s­pat­zen geges­sen wer­den, und evtl. der feh­len­de Schlaf von Fasching nach­ge­holt wird, wird in Timor-Les­te eines der bes­ten Hem­den gebü­gelt und das Make-up auf­ge­tra­gen um in die Mes­se zu gehen.
In der Mes­se wird dann ein Asche­kreuz auf die Stirn gezeich­net. Die Mes­se an Ascher­mitt­woch ist für Timoresen/innen wirk­lich wich­tig, was noch­mal um eini­ges mehr Men­schen in die Mes­se zog als an nor­ma­len Sonn­ta­gen. An Fei­er­ta­gen wie die­sem, reicht der Platz in den meis­ten Kir­chen nicht aus. Die Mes­se wird dann im Frei­en zele­briert. Hier­zu wird ein tra­di­tio­nel­les Haus auf dem Platz vor und um das Gebäu­de genutzt. Die­ser Platz wird dann wirk­lich wun­der­schön und mit viel Lie­be und Zeit vor­be­rei­tet. Man merkt hier ein­fach, wie wich­tig den Ein­hei­mi­schen die Nähe zu Gott in der Mes­se ist. Trotz feh­len­dem Geld wird mit ein­fa­chen Mit­teln alles schön deko­riert, so dass es wür­dig für ein solch wich­ti­ges Fest ist.

 

(Foto 1: Die­ses Foto ent­stand als wir die Mes­se am Ascher­mitt­woch verließen.

Am Fuße des klei­nen Hügels ist die Kir­che und der besag­te Mes­sen­ort. Wenn man genau hin­sieht, kann man die Men­schen­mas­sen und das Ver­kehrs­chaos erken­nen. In Timor gibt es zwar nur eine rela­ti­ve gerin­ge Anzahl von Auto’s und Motor­rä­dern, doch bei der Mes­se kom­men alle zusam­men. Übri­gens: Stra­ßen­na­men wie hier, sind etwas wirk­lich sehr sel­te­nes in den länd­li­chen Regio­nen wie Baucau)

 

Foto 2:
Das sind Mana Jaque und ich nach der Ascher­mitt­wochs­mes­se vor unse­rem Zuhause.

Wir leben, lachen, dis­ku­tie­ren, kochen, tan­zen und vie­les  mehr zusam­men. Wir sind wirk­lich sehr, sehr, sehr gute Freun­de geworden.
Nicht zu über­se­hen unse­re Asche­kreu­ze auf der Stirn.
Die Fas­ten­zeit beginnt also…

 

Die Fastenzeit

Eigent­lich sind die meis­ten Din­ge hin­sicht­lich der Kir­che in Timor-Les­te und Deutsch­land gleich.

Manch­mal sogar die Melo­dien und Inhal­te der Kir­chen­lie­der.  Wäh­rend der Fas­ten­zeit wird haup­stäch­lich mitt­wochs und frei­tags gefas­tet. Ein paar Timo­re­sen aßen an die­sen Tagen nur ein­mal täg­lich Reis. Auch durf­te kein Fleisch geges­sen und kein Alkohl getrun­ken wer­den. Das Fas­ten wird mei­ner Ein­schät­zung nach, trotz der rie­si­gen Zahl an gläu­bi­gen Chris­ten (ca.  98%) recht indi­vi­du­ell gehalten.
Wie jeden Sonn­tag haben wir stets die Mes­se besucht.

Wäh­rend der Fas­ten­zeit fin­det außer­dem jeden Mitt­woch und Frei­tag ein „Via­sa­kra“ statt. Dort wer­den die 14 Sta­tio­nen Jesus‘ Leid zele­briert. Das besuch­ten wir aller­dings nur zwei Mal.

Wäh­rend der Fas­ten­zeit wur­de von mei­nen Freun­din­nen, Arbeits­kol­le­gin­nen, etc. immer wie­der betont, dass nun die Zeit herrscht, in der man ande­ren Men­schen beson­ders hel­fen muss, in der Gott even­tu­ell spe­zi­el­le Hür­den und Auf­ga­ben stellt, in der die Geduld getes­tet wird, in der man sich mit ande­ren Men­schen ver­tra­gen muss, etc…

Das Beichten und eine Belehrung: „Retiru“

Ein­mal wäh­rend der Fas­ten­zeit muss jeder Christ sei­ne Sün­den vor Gott beich­ten. Soll­te man wäh­rend der Fas­ten­zeit nicht gebeich­tet haben, darf man streng genom­men nicht am Oster­fest teil­neh­men. Vor dem Beicht­ge­stän­dins erhält man auch eine Beleh­rung über den Glau­ben von einer Non­ne, einem Pries­ter oder einem Bru­der. Außer­dem wird der Kreuz­weg zele­briert. Abschlie­ßend wird eine gemein­sa­me Mes­se gefei­ert. Die­ser Tag wird zusam­men­ge­fasst „Reti­ru“ genannt und wird von jeder grö­ße­ren Organisation/ Arbeit­ge­ber (wie z.B. das CTID), jeder Schu­le und jedem Stadt­be­zirk bzw. Dorf orga­ni­siert, ange­bo­ten und zelebriert.

Palmsonntag

Der Ein­zug Jesus‘ in Jeru­sa­lem wird auch in Timor-Les­te ähn­lich wie in Deutsch­land gefeiert.
Jeder berei­tet ein Palm­blatt vor, dass er dann mit zur Mes­se nimmt.
Die Zere­mo­nie star­te­te auf einem Schul­hof. Hier wur­de der Palm­we­del geweiht und danach ist man  gemein­sam zu dem tra­di­tio­nel­len Haus gelau­fen, wo dann die eigent­li­che Mes­se statt­fand. Auf dem Weg spiel­te zwar kei­ne Blas­ka­pal­le aber ein Micro­let (=öffent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel; Klein­bus) mit einem Laut­spre­cher beför­der­te einen Chor.

Misa Krizmal

Am Mitt­woch den 17.04.2019 began­nen unse­re Oster­fe­ri­en im CTID. An die­sem Tag sind wir (mei­ne Mit­frei­wil­li­ge Leo­nie, unse­re Men­to­rin Izha und vier befreun­de­te Arbeits­kol­le­gin­nen) nach Dili und von Dili nach Gle­no (einer Stadt im Bezirk Erme­ra) gefahren.

In Gle­no haben wir uns von unse­ren Arbeits­kol­le­gin­nen getrennt. Vier ande­re Freun­din­nen kamen zu uns dazu und gemein­sam ging es auf den Berg put­ty down­load , in das gleich­na­mi­ge Dorf Erme­ra, wo es wirk­lich kalt ist. So ähn­li­che Tem­pe­ra­tu­ren wie in Deutsch­land bin ich nicht mehr gewöhnt. Dort ver­brach­ten wir dann das Oster­fest und durf­ten bei den Canos­saschwes­tern leben. In die­ser Com­mu­ni­ty lebt auch Mad­re Maria (die ehe­mal­li­ge Direk­to­rin des CTID’s, die das CTID im Dezem­ber 2018 ver­lass­te). Auf Grund unse­rer Rei­se sind wir an die­sem Tag nicht in die Kir­che. Des­halb kann ich nichts zur Mes­se sagen.

Gründonnerstag/ Das letzte Abendmahl 

Don­ners­tags hal­fen wir dann den Schwes­tern, putz­ten, koch­ten, bügel­ten, pflück­ten Blu­men, berei­te­ten die Grut­te vor, an der die Kir­che statt­fand, etc.
Am Nach­mit­tag ging es dann in die Kir­che. In der Kir­che wur­de das Füße­wa­schen der 12 Jün­ger von dem Pries­ter und 12 älte­ren Her­ren zele­briert. Ansons­ten wur­de die Mes­se wie üblich abgehalten.
Zum Ende wur­de dann die Mons­tranz in die Kir­che gebracht und gebe­tet. Wie ihr sehen könnt ist also vie­les gleich wie in Deutschalnd.

Karfreitag

Um 5:30 Uhr ging es in die Kir­che, um zu beten. In der Kir­che wur­de die gan­ze Nacht durch­ge­be­tet. Die Zei­ten wur­den im Dorf/ unter den Men­schen selbst ein­ge­teilt. Wir beka­men das Glück erst um 5:00 auf­ste­hen zu müssen.
Anschließend fand um 7:30 Uhr das gro­ße Via­sa­kra statt. Wie schon in der Fas­ten­zeit wer­den die 14 Sta­tio­nen zele­briert. Für die­sen spe­zi­el­len Tag aber stu­dier­ten in eini­gen Orten die Jugend­grup­pen eine Art Schau­spiel ein. Und so wird der Kreuz­weg von ech­ten Men­schen nach­ge­stellt. Mit nahe zu allem, was dazu gehört: das letz­te Abend­mahl, die Schlä­ge und Fol­ter, das Tra­gen des Kreu­zes allei­ne auf den Berg, die Frau­en von Jeru­sa­lem, die Sal­bung von Vero­ni­ka, die Kreu­zi­gung (ans Kreuz knoten), …
Die­ser Anblick war wirk­lich beein­dru­ckend aber nicht leicht zu ertragen.

Mir wur­de erklärt, dass wenn der Glau­be stark genug ist, man kei­ne Schmer­zen „als Jesus“ spüre.
Zu Mit­tag gab es dann auch in Erme­ra Fisch. Die Non­nen spra­chen an die­sem Tag nicht beson­ders viel, es soll­te nicht viel und laut gelacht wer­den und auch die Blu­men, die wir uns zum Spaß in die Haa­re steck­ten, waren nicht all­zu ger­ne gesehen.

Am Nach­mit­tag ging es dann noch ein­mal in die Mes­se. Wie auch in Deutsch­land spiel­te dort kei­ne Orgel und läu­ten kei­ne Glo­cken mehr. Jeder Mes­sen­be­su­cher küss­te ein­mal die Figur des gekreu­zig­ten Jesus. Man konn­te schon irgend­wie die Anspan­nung an die­sem Tag spüren.

Foto 3 & 4:
Hier kann man die Zele­brie­rung des Kreuz­we­ges sehen.

Samstag

Auch hier hal­fen wir tags­über wie­der beim kochen, bügeln, Mes­se vor­be­rei­ten, etc.
Am Abend kamen die schöns­ten Klei­der her­vor. Es war wirk­lich schwer über­haupt einen Steh­platz zu fin­den, obwohl wir eigent­lich recht­zei­tig zur Mes­se an der Grut­te waren. Ich kann mir nicht wirk­lich vor­stel­len, dass noch vie­le Men­schen in ihren jeweil­li­gen Häu­sern in Erme­ra waren. Ostern ist auch in Timor-Les­te ein Anlass für jun­ge Men­schen, die in einer ande­ren Stadt arbei­ten, leben bzw. stu­die­ren, die Fami­lie zu besu­chen und zusam­men zu fei­ern, was ver­mut­lich noch mehr Men­schen zur Mes­se zog. Anstatt Oster­körb­chen brach­te jeder Mes­sen­be­su­cher eine Ker­ze und jede Fami­lie eine Fla­sche Was­ser mit zur Messe.

Foto 5: Eine gut befreun­de­te Arbeits­kol­le­gin, die mit uns gemein­sam Ostern in Erme­ra verbrachte.
Ein Lich­ter­meer aus Ker­zen erhell­te die Regi­on rund um Ermera’s Kir­che. Ein wun­der­schö­ner und andenk­li­cher Moment.

 

 

Als wir acht uns auf­teil­ten, um schluss­end­lich mehr oder weni­ger gute Plä­ze zu fin­den war alles fins­ter. Der Pries­ter begann die Mes­se. Es durf­ten kei­ne Han­dys leuch­ten. Dann flog ein Engel vom Him­mel mit einem klei­nen Feu­er in der Hand. Die­se Konstela­ti­on wur­de am Vor­mit­tag vie­le Stun­den von etli­chen jun­gen Män­nern auf­ge­baut. Die­ser Engel ent­fach­te dann das gro­ße Lager­feu­er in der Mit­te des Plat­zes. Von die­sem geseg­ne­ten Feu­er, wel­ches Jesus‘ Auf­er­ste­hung sym­o­li­siert, wur­de die Oster­ker­ze und anschlie­ßend all unse­re klei­nen Ker­zen ange­zün­det. Die Mes­se war größ­ten­teils genau wie in Deutsch­land. Man muss­te lan­ge ste­hen, lan­ge und oft knien,  es wur­de viel gesun­gen, … Anstatt das Oster­licht aber mit nach­hau­se zu neh­men wur­den die Ker­zen beim Lesen der Lek­tü­ren wie­der aus­ge­löscht. Als das Was­ser geweiht wur­de und dar­auf fol­gend auch wir Men­schen mit unse­ren Was­ser­fla­schen wur­den die Ker­zen wie­der ange­zün­det und dar­auf fol­gend wie­der aus­ge­bla­sen. Nach rund 4 Stun­den war die Mes­se vor­bei (ca. 8:30–23:30 Uhr).

 

Foto 6: Chris­tus ist auf­er­stan­den! Das Feu­er in der Mit­te des Plat­zes von dem auch, wie in Ber­tolds­ho­fen (mei­nem Hei­mat­dorf) die Oster­ker­ze und somit alle klei­ne Ker­zen ange­zün­det wer­den. Frü­her in Ber­tolds­ho­fen war es auch üblich über das Feu­er zu sprin­gen, was in Timor-Les­te glück­li­cher­wei­se nicht aus­ge­übt wird.

 

Wie­der in der Com­mu­ni­ty der Schwes­tern ange­kom­men wur­de ein Abends­nack von der Köchin vor­be­rei­tet. Auch in Timor gab es dann je ein gekoch­tes Ei zum Essen. Den Grund dafür konn­te mir die Schwes­ter aber nicht genau erklä­ren. Danach sind wir alle platt ins Bett gefallen.

Ostersonntag

Um 8:30 stand noch­ein­mal Mes­se auf dem Pro­gramm. Die­ses Mal mit nicht ganz sooo vie­len Men­schen wie am Sams­tag Abend. Den­noch sehr, sehr fei­er­lich. Danach wur­den wir  acht von einem Fra­ter ein­ge­la­den die wun­der­schö­ne Resi­denz der Pfar­rei mit ihrem ein­ma­li­gen Aus­blick zu besuchen.

Am Nach­mit­tag gin­gen vier unse­rer Freun­din­nen zurück nach Dili. Wir rest­li­chen vier und Mad­re Maria durf­ten zusam­men mit zwei Ein­hei­mi­schen in ein ca. 2,5 Kilo­me­ter ent­fern­tes Dorf gehen, um dort einen wun­der­schö­nen Aus­blick und Nach­mit­tag zu genie­ßen. Ermera’s Natur ist ganz anders als in Bau­cau. Erme­ra ist DIE Kaf­fee­re­gi­on Timor-Leste’s. Reis­fel­der kann man nicht finden.

Am Abend wur­den wir dann von den ange­freun­de­ten Fra­tern und Dorf­be­woh­nern ein­ge­la­den eine klei­ne Fei­er als Dan­ke­schön fürs Hel­fen bei den Mess­vor­be­rei­tun­gen mit zu fei­ern. Und so wur­de abschlie­ßend gemein­sam geges­sen und getanzt.

 

Foto 7: Hier sieht man den fest­lich geschmück­ten Altar der Grut­te, um den die Mes­sen an Ostern statt­fan­den. Von Links: Biin Izha = unse­re Men­to­rin, Mad­re Abe, Mana Mer­ry = eine befreun­de­te Arbeits­kol­le­gin, Mana Juvi­ta = eine Freun­din, sie absol­vier­te das Trai­ning im CTID 2018, ich, Mana Dul­ce = die klei­ne Schwes­ter von Mad­re Maria und nun eine unse­rer Freun­din­nen, Leo­nie und Mad­re Maria.

Ostermontag…

…ist in Timor-Les­te kein Fei­er­tag mehr und so ging es wie­der zurück nach Baucau.

Allgemeines

Ich möch­te dar­auf hin­wei­sen, dass all mein Beschrie­be­nes nur mei­ne ganz per­sön­li­che Ein­drü­cke und Erleb­nis­se sind. Ande­re Men­schen sehen dies alles sicher­lich ganz anders.

Ich kom­me aus einem klei­nen Dorf in Bay­ern. Dort sind die Bräu­che und Sit­ten sicher­lich ganz unter­schied­lich im Gegen­satz zu dem ande­ren Tei­len Deutsch­lands und auch der Welt.
In Deutsch­land bin ich ehr­lich gesagt kein flei­ßi­ger Kirch­gän­ger…, wes­halb ich sicher­lich eini­ge Din­ge nicht weiß bzw. anders ver­ste­he. Hier in Timor-Les­te wird alles was den Glau­ben betrifft aber als selbst­ver­ständ­lich und wirk­lich wich­tig ange­se­hen. An die­sen Stand­art habe ich mich rela­tiv schnell gewöhnt.

Lisa Schromm

 

📅 4. Juli 2018