Bergexerzitien 2026
„Muntafu“ sagen die Einheimischen zum Tal „Montafon“ in Vorarlberg, was soviel bedeutet wie „Berg davor“. Wir waren in dieser Region von 26. bis 31.Juli 2026, um Körper, Geist und Seele zu nähren und um nicht nur vor den Bergen zu verweilen, sondern um auf ihre Gipfel zu steigen.
Pater Willi und Thomas, ein ZweierTeam ganz im biblischen Sinn, leiteten uns mit Kompetenz und Einfühlungsvermögen, mit Auferbauung und Humor.
 Auf der Spur des Lebens
Starker Regen war angesagt am 1.Tag — der endete aber kurz bevor wir den Aufstieg zur Lindauerhütte begannen. Die restlichen Tage gab es sowieso ausschließlich Kaiserwetter.
„Kein Problem ist so, dass man es nicht im Tal lassen könnte“ ermutigte uns P.Willi beim Anstieg zu unserem Quartier. Wir wanderten schweigend hinauf und versuchten uns selbst wahrzunehmen und alles loszulassen; auch den Wunsch nach einem Einzelzimmer 🙂
Unseren Lebensweg, der oft recht schwierig ist, können wir als Heilsweg erkennen .. was gut gelingt, wenn wir uns dazu entscheiden, auf das Gute, Wahre und Schöne, Vollkommene, die Liebe zu schauen. Die herrliche Natur, die wunderbare Schöpfung Gottes, hilft dabei sehr! Wie eine Perlenkette der An- und Ausblicke waren unsere Tage. Sie verlangten aber auch Mut und Flexibilität. Unser Gehen Schritt für Schritt — das waren oft kleine Distanzen — ließen uns letztendlich die Gipfel, unsere Ziele in großer Distanz, erreichen.
Pilgerwanderungen sind Gebet mit den Füßen; die tägliche Eucharistiefeier vertiefte dieses Beten täglich aufs Neue. Dafür bereitete Thomas jeweils liebevoll einen Altar und P. Willi ermöglichte uns dort diese Quelle und Höhepunkt unseres Lebens. Das Stromnetz der Eucharistie können wir benutzen, aber auch in es einspeisen — wir sind ja nicht nur Verbraucher. Das Geschenkte dankbar weiterzugeben ist unser Auftrag.
Zum Glück wissen wir Christen, wem wir danken können für überwältigende Momente der Schönheit für Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände. Dass wir uns, wie ein Gürtel, an Gott schmiegen können, faszinierte uns genauso wie das Wissen, dass Er uns umgibt wie die Luft zum Atmen. Goethe schrieb: „Die Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler“ Darum war das Schweigen nach den Impulsen einfach und gut. Der Austausch untereinander erfreute uns auch; waren wir doch spürbar eine Familie, wir wandernden Kinder Gottes. Von Tag zu Tag wurde dieses Teilen unserer Gedanken immer mehr ein Austausch von Herz zu Herz.
Die 3fache Kommunikation (mit mir, mit anderen, mit Gott) macht unser Menschsein aus und wird in den Bergen, in der wunderbaren Schöpfung noch um den Dialog mit der Umwelt ergänzt. Hans-Peter zeigte uns, wie sehr Gott im Lobpreis Seines Volkes wohnt. Der Liedtext „wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht“ scheint mir wie die Essenz der Tage in den Bergen.
Eine wesentliche Erkenntnis, neben der Dankbarkeit, ist es, zu unfreiwilligen, unangenehmen Situationen in einer freien Entscheidung Ja zu sagen. Unser sicherer Boden ist nicht nur der Weg, die Wiese .., sondern der Geist, der, durch die Taufe, mit Seinen Gaben, in uns wohnt. Manchmal war unser Weg auch ein rutschiges Schneefeld, über das sich die Kühe ebenso freuten wie wir.
Ein Highlight war der Besuch von Schwester Christine, die uns auch durch ihre Gedanken zu Maria und Marta viel schenkte. Dass Gott für uns Mensch wurde, hilft uns Menschen, wie Er, immer jedem alles zu vergeben. Vergebung kommt nicht aus unserem Gefühl, sondern aus unserer Entscheidung dazu. Die guten Gedanken über jemanden und etwas helfen uns, unsere Verletzungen in den Sand zu schreiben und im Wind der Vergebung verwehen zu lassen.
Da sich unser Wanderweg immer wieder ändert: breit oder schmal, flach oder steil, eben oder steinig, sehr oft recht instabil ist, können wir gut merken, wie angenehm es ist, auf festem Grund zu gehen. Unsere Stabilität im Leben ist Gott allein! Im Gehen konnten wir viel darüber nachdenken, unseren Geist kreativ schweifen und uns inspirieren lassen. Ich nahm den schönen Gedanken mit: allen Verwandten, Freunden und Bekannten so begegnen, als ob ich ihnen das erste Mal begegnen würde. Dem Nächsten — so wie auch mir 🙂 — die Chance geben, dass er neu/gut sein kann.

Freiheit und Freude waren die Salbung dieser Pilgertage, an denen uns Gott unaufhörlich zeigte, wie gern Er uns mag! Jedes Mal denke ich am Ende der Bergexerzitien: so schön wie heuer war es noch nie! Das werde ich mir wohl auch 2027 wieder denken!
Bericht: Katharina Achammer
Fotos: Thomas Daufratshofer
Geistliche Leitung: Pater Willi Klein, Bruder vom Kostbaren Blut in Salzburg
Alpinsitische und organisatorische Leitung: Thomas Daufratshofer, Marktoberdorf,
auch Ansprechpartner bei Fragen bezüglich der Bergexerzitien daufi@freenet.de |